Angst vor der Zukunft – Jugendalltag 2020: Erste Ergebnisse der bundesweiten Studie „JuCo 2“

Worum geht es?

Wie erleben Jugendliche die Corona-Krise? Ein Forschungsteam der Universitäten Hildesheim und Frankfurt gibt erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit bekannt. Über 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene haben an der Befragung teilgenommen. Fast die Hälfte der befragten jungen Menschen gibt an, Angst vor der Zukunft zu haben.

  • Erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit sind veröffentlicht. Über 7.000 junge Menschen haben teilgenommen.
  • Junge Menschen erfahren in Bildung und Freizeit sehr starke Einschränkungen. Viele Jugendliche erleben in Zeiten der Pandemie eine große psychische Belastung – Ausgleichsmöglichkeiten fehlen hingegen.
  • Fast die Hälfte der befragten jungen Menschen gibt an, Angst vor der Zukunft zu haben.
  • Auch weiterhin fühlen sich viele junge Menschen mit ihren Sorgen nicht gehört. Sie geben an, so gut wie gar nicht an den Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen über die Gestaltung der Infektionsschutzmaßnahmen und ihrer zeitweiligen Lockerungen beteiligt worden zu sein.
  • Erwachsene stehen in der Verantwortung den jungen Menschen Räume zu schaffen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Die Rechte und Bedarfslagen müssen anerkannt werden – auch in Krisenzeiten.

Erste Ergebnisse

Jugendforscher*innen des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ der Universitäten Hildesheim und Frankfurt haben erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten Befragung von Jugendlichen in der Corona-Zeit veröffentlicht. Über 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene haben an der Befragung teilgenommen. Die ersten Ergebnisse der Online-Befragung „JuCo 2“ zeigen eindrücklich, wie sehr sich der Lebensalltag der jungen Menschen in den unterschiedlichen Lebensbereichen durch die Corona Pandemie verändert hat und wie sehr sich dies auf ihr Empfinden und Erleben auswirkt.

So blicken viele der Befragten angesichts ihrer Erfahrungen aus dem Jahr 2020 sorgenvoll in die Zukunft. Viele leiden unter Einsamkeit, sie vermissen ihre sozialen Kontakte und Freizeitaktivitäten. Der psycho-soziale Ausgleich zum Lernen und den sozialen Einschränkungen während der Pandemie fehlt. Dr. Tanja Rusack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim, berichtet:

„An der zweiten Befragung haben im Vergleich zur ersten Erhebung im Frühjahr 2020 mehr junge Menschen teilgenommen, die nicht mehr zur Schule gehen. Besonders junge Menschen in biografischen Übergangsphasen blicken besorgt in die Zukunft, so konnte bereits in der „JuCo 1“-Studie gezeigt werden. Einsamkeit, finanzielle Sorgen und andere Nöte stellen für viele eine große Belastung dar.“

An den über 1.500 Freitextantworten und Kommentaren zeigt sich ein hoher Mitteilungsbedarf der jungen Menschen. Sie haben den Eindruck, dass ihre Bedarfe von der Politik nicht wahrgenommen werden. Johanna Willmes, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Frankfurt, verdeutlicht:

„Jugendliche wollen mitbestimmen – auch in der Corona-Zeit. Sie haben wichtige Ideen zur Umsetzung unterschiedlicher Maßnahmen in ihrem Alltag. Doch diese Stimme wird kaum gehört.“

Noch haben wir es jugendpolitisch in der Hand, ob junge Menschen die Zeit der Corona-Pandemie als verlorene Zeit ansehen werden.
Entscheidungsträger*innen sind jetzt gefordert zu handeln, damit der Jugendalltag 2021 den Rechten und Bedarfen junger Menschen – auch in Krisenzeiten – gerecht wird – so ein wesentliches Plädoyer der Forscher*innen in dem ersten zu den Ergebnissen aus „JuCo 2“ veröffentlichten Papier.

Die ersten Ergebnisse der Studie „JuCo 2“ sind ab 10.12.2020 hier online abrufbar.